Amazon Web Services hat beim Indiana County in Pennsylvania einen vorläufigen Erschließungsplan für einen Campus mit 36 Rechenzentrumsgebäuden auf dem Homer City Energy Campus eingereicht, rund 50 Meilen östlich von Pittsburgh. Das meldete Data Center Dynamics am 6. Oktober. Schon im August hatte AWS mitgeteilt, mit dem Entwickler des Standorts, Homer City Redevelopment, in Gesprächen zu sein.
Nach den veröffentlichten Angaben aus dem Antrag umfasst der Campus rund 1.100 Acres in Center Township und Blacklick Township, verteilt auf sechs Teilflächen. Jedes Gebäude ist zweigeschossig geplant, 70 Fuß hoch und mit 225.000 Quadratfuß Geschossfläche. Der Plan nennt außerdem Büros, Lagerflächen, Umspannwerksinfrastruktur und redundante Stromerzeugung. Gebaut werden soll ab Dezember 2026 in vier Phasen; die letzte beginnt im Januar 2032, fertig sein soll alles im Juni 2036. Die Zahl der Arbeitsplätze wird im Antrag mit 1.500 bis 2.000 angegeben.
Vom Kohlekraftwerk zu Gasturbinen
Auf dem Gelände stand die Homer City Generating Station, ein Kohlekraftwerk mit 2 GW, das von 1969 bis 2023 lief und das größte Kohlekraftwerk Pennsylvanias war. 2025 kündigten Homer City Redevelopment und das Bauunternehmen Kiewit an seiner Stelle ein Gaskraftwerk mit bis zu 4,5 GW an. Es soll aus sieben Turbinen vom Typ GE Vernova 7HA.02 bestehen, die als wasserstofffähig beschrieben werden, und mit Gas aus dem Marcellus Shale versorgt werden. Damals rechneten die Partner mit dem ersten Strom im Jahr 2027.
Laut Data Center Dynamics geht der größte Teil der Erzeugung an den Rechenzentrumscampus, mehr als 1 GW wird ins Netz eingespeist.
Notstrom neben dem Kraftwerk
Ein Campus direkt neben seinem eigenen 4,5-GW-Kraftwerk verlangt trotzdem eine eigene redundante Stromerzeugung. Ein Widerspruch ist das nicht. Eine Turbine kann ausfallen, eine Leitung oder ein Transformator auf dem Campus kann versagen, und der Betreiber will, dass jede Datenhalle solche Ereignisse mit ihrer eigenen Quelle überbrückt. In welcher Form die redundante Erzeugung ausgeführt wird, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Deutlich wird aber, wie viel Wärme an einem einzigen Standort zusammenkommt: Gasturbinen, Datenhallen und die im Antrag vorgesehene Notstromerzeugung, jede mit eigener Kühlung, eigenem Schall und eigenem Platz im Lageplan. Bei Projekten dieser Größe werden Gasturbinen und die Lasten der Rechenzentren gemeinsam geplant, und die Kühlanlagen beider müssen mit demselben Sommerwetter zurechtkommen.
Quellen: Data Center Dynamics, Marcellus Drilling News, American Public Power Association
