Große Rechenzentren in Nordamerika werden bald registrierte Einheiten mit eigenen Zuverlässigkeitspflichten. Am 15. Oktober gab NERC bekannt, dass das Standardpaket des Project 2026-02, Computational Loads, die abschließende Abstimmung der Stakeholder bestanden hat. Es geht nun an das NERC Board of Trustees, das sich voraussichtlich noch in diesem Quartal damit befasst, und danach an die FERC. Nach der Anordnung der FERC vom 16. Juli muss NERC die ersten Standards und Registrierungskriterien bis zum 31. Dezember 2026 einreichen.
Wer betroffen ist
Die Regeln gelten für Standorte mit mindestens 50 MW angeschlossener Rechenlast, die mit 100 kV oder mehr versorgt werden. NERC hatte zunächst 20 MW und 60 kV vorgeschlagen und beide Werte nach den Stellungnahmen angehoben, berichtet POWER. Am 8. Oktober schuf das NERC Board dafür zwei neue Registrierungskategorien: Computational Load Owner und Computational Load Operator. Laut Microgrid Media hatte die Data Center Coalition Ausnahmen für Standorte gefordert, an denen der Eigentümer weder vertraglich noch praktisch Kontrolle über die Anlagen hat; der endgültige Text enthält sie nicht.
Drei neue Standards
- CLO-001-1 regelt Netzanschlussstudien, Inbetriebnahme und Modelldaten, einschließlich Durchfahrfähigkeit (Ride-Through) und Abschaltung von Anlagen. Die Modelle müssen innerhalb von 180 Tagen nach einer Änderung an Hardware, Software, Firmware oder Einstellungen aktualisiert werden, die das dynamische Verhalten des Standorts verändert.
- CLO-002-1 regelt Betriebsdaten und Kommunikation. Betreiber müssen Anweisungen ihres Übertragungsnetzbetreibers, ihrer Balancing Authority oder ihres Reliability Coordinator befolgen, es sei denn, eine Anweisung ist physisch nicht ausführbar oder würde Sicherheits-, Anlagen-, regulatorische oder rechtliche Grenzen verletzen; in diesem Fall müssen sie das mitteilen.
- CLO-003-1 regelt die Koordination der Schutzeinstellungen, die Ereignisaufzeichnung (Sequence of Events) an festgelegten Leistungsschaltern sowie die Aufzeichnung von Fehlern und dynamischen Störungen.
FAC-001 und FAC-002 werden überarbeitet, damit Anschlussanforderungen nicht doppelt gelten. Eigentümer und Betreiber erhalten für die Daten-, Weisungs- und Kommunikationspflichten in der Regel 12 Monate, die Schutzkoordination beginnt nach 9 Monaten, und bestehende Standorte haben 36 Monate Zeit, die Aufzeichnungsgeräte zu installieren. Mindestanforderungen an das Durchfahren von Spannungs- und Frequenzabweichungen sind nicht Teil dieses Pakets; NERC erarbeitet sie separat.
Der Vorfall dahinter
NERC verweist auf den Juli 2024, als aufeinanderfolgende Fehler in der Eastern Interconnection zum nahezu gleichzeitigen Verlust von rund 1.500 MW Rechenzentrumslast führten. Die Frequenz stieg auf 60,053 Hz und kehrte innerhalb von vier Minuten zurück; NERC führte die Abschaltungen auf Schutz- und Regeltechnik auf der Kundenseite zurück. Außerdem untersuchte NERC 26 Ereignisse an Krypto-Mining-Standorten im ERCOT-Gebiet zwischen Januar 2023 und September 2025, jedes ein Lastverlust von mehr als 100 MW. Ein Level-3-Alert im Mai nannte notwendige Maßnahmen, die jedoch nicht verpflichtend waren.
Für die Ingenieure eines Rechenzentrums wird die Elektroplanung damit von einer internen Angelegenheit zu einer meldepflichtigen. Kommt ein Netzfehler, entscheiden USV und Umschaltkonzept, ob der Standort durchfährt oder sich vom Netz trennt und auf Batterien und seine Stromaggregate übergeht. Diese Einstellungen müssen künftig modelliert, aufgezeichnet und aktuell gehalten werden, und eine spätere Änderung daran ist meldepflichtig. Die Netzersatzanlage gehört zu diesem Bild; trennt sich der Standort vom Netz, tragen ihre Motoren die gesamte Last.
Quellen: POWER Magazine, Microgrid Media
