PJM Interconnection hat am Dienstag, dem 13. Oktober, bei der FERC eine Studienvereinbarung für den „Flagship“-Campus von SoftBank im Süden Ohios eingereicht. Geplant ist ein KI-Rechenzentrumskomplex mit rund 10 GW, der seine eigenen Gaskraftwerke mitbringen soll. Die Vereinbarung umfasst 9,6 GW zusätzliche Last und 10,2 GW neue Gaserzeugung, die SB Energy, ein Unternehmen von SoftBank, nach Angaben von Utility Dive bis 2032 in Phasen errichten will. Die erste Phase mit 800 MW ist nicht Teil der Studie; AEP Ohio versorgt sie über seinen Rechenzentrumstarif.
Ohio hat gefragt, Ohio trägt zuerst die Kosten
PJM nutzt dafür den State Agreement Approach. Mit diesem Verfahren kann ein Bundesstaat den Netzbetreiber beauftragen, Projekte zu untersuchen, die er für seine eigenen energiepolitischen Ziele braucht; was dann gebaut wird, bezahlen die Verbraucher dieses Staates. Die Public Utilities Commission of Ohio richtete die Anfrage am 15. Juni an PJM-Chef David Mills. Laut diesem Schreiben gehen die Übertragungskosten an Ohio, und Ohio reicht sie an SB Energy weiter, das sich zur Zahlung verpflichtet hat. PJM möchte, dass die Vereinbarung rückwirkend ab dem 25. September gilt, dem Tag der Unterzeichnung, und bezeichnet sie als Zwischenlösung, bis es ein formelles Verfahren für Studien dieser Art gibt.
Bei den eigenen Grenzen ist die Eingabe sehr genau. Die Studie soll Ohio eine technische Grundlage für die Entscheidung liefern, ob das Vorhaben weiterverfolgt wird; sie wählt keine Übertragungsprojekte aus, legt keine Kostenaufteilung fest und gewährt weder Übertragungs- noch Netzanschlussrechte. AEP Ohio plant für den Campus bereits drei 765-kV-Leitungen und zugehörige Anlagen, und PJM prüft, ob diese ausreichen. SB Energy erklärt, es werde die für die Rechenzentren gebaute Erzeugung und Übertragung bezahlen, mit Zahlungspflichten, die unabhängig davon gelten, wie viel Strom der Campus tatsächlich abnimmt, und überschüssige Erzeugungs- und Übertragungskapazität dem Netz anbieten. Wie die Kosten am Ende zurückgeholt werden, bleibt späteren Verfahren vor PUCO und FERC überlassen.
9,2 GW im März, jetzt 10,2 GW
Das Weiße Haus hatte das Projekt im Februar als Teil des Handels- und Investitionsabkommens mit Japan über 550 Milliarden Dollar angekündigt. Das Faktenblatt des Department of Energy vom 20. März nennt 10 GW neue Erzeugung, davon mindestens 9,2 GW Erdgas, 33,3 Milliarden Dollar japanische Finanzierung für die Gaskraftwerke, eine neue zwischenstaatliche Gaspipeline sowie 4,2 Milliarden Dollar für 765-kV-Leitungen und vier Umspannwerke, die SB Energy zusammen mit AEP Ohio bezahlt. In der Eingabe von PJM ist nun von 10,2 GW Gas die Rede, und keines der beiden Dokumente erklärt die Differenz. Der größte Teil des Komplexes soll auf bundeseigenem Gelände der früheren Portsmouth Gaseous Diffusion Plant im Pike County entstehen, einem Standort der Urananreicherung, den das DOE an ein verbundenes Unternehmen von SB Energy verpachtet; ein Teil der Erzeugung würde rund 30 Meilen entfernt gebaut.
Im DOE-Papier verpflichtet sich der Campus außerdem, bei Notlagen und schweren Wetterereignissen seinen Verbrauch zu senken oder das örtliche Netz mit Reserveleistung zu versorgen. Langlaufende Komponenten wie Hochspannungsausrüstung seien bereits gesichert. Ein Turbinen- oder Motorenlieferant wurde bisher nicht genannt.
In Phasen gebaut, betrieben wie ein Versorger
Gaserzeugung in dieser Größenordnung, die dem Kunden gehört und bei Überschuss ans Netz geht, liegt irgendwo zwischen einem privaten Kraftwerk und dem Kraftwerkspark eines Versorgers. Die Phasen müssen den Rechenzentrumshallen folgen, so wie diese übergeben werden; die ersten Erzeugungsblöcke laufen also schon, während die nächsten um sie herum noch montiert werden. Die Fragen, die auf einer solchen Baustelle früh gestellt werden, drehen sich selten um die Zahl aus der Schlagzeile: Wie viel Reserve deckt den Ausfall einer Einheit ab, was liefert die Anlage an einem heißen, schwülen Nachmittag in Ohio noch, und wer entscheidet, wann der Campus zurückfährt, um das Netz zu stützen? Eine Zusage zur Unterstützung in Notlagen bedeutet zudem, dass die Notstromanlage des Rechenzentrums über Stunden statt Minuten gefordert sein kann.
Am selben Dienstag gab AEP seine Bestellung von bis zu 1,6 GW Lineargeneratoren bekannt. Großlasten kommen in Ohio inzwischen mit eigenen Kraftwerken; als Nächstes gilt es abzuwarten, wie die FERC auf die Eingabe von PJM reagiert.
Quellen: Utility Dive, Microgrid Media, U.S. Department of Energy
