Everllence liefert 13,5-MW-Dampfturbinensatz an Yara in Rostock

Strom aus Dampf, den die Anlage ohnehin erzeugt

Bei der Salpetersäureproduktion fällt viel Wärme an, und am Yara-Standort Poppendorf bei Rostock nutzt man sie, um Dampf zu erzeugen. Am 21. Oktober kündigte Everllence an, für dieses Werk einen Dampfturbinensatz mit rund 13,5 MW zu liefern, einschließlich Generator und Steuerung. Everllence ist der Motoren- und Turbomaschinenhersteller, der bis vor Kurzem unter dem Namen MAN Energy Solutions firmierte. Der Satz wird im Bereich der Salpetersäureproduktion aufgestellt und speist das eigene Netz des Standorts.

Der neue Satz braucht keinen zusätzlichen Brennstoff. In der Säureanlage treiben bereits zwei Dampfturbinen Verdichter von Everllence an. Ihr Abdampf mit 12 bar geht künftig an die neue Anlage, die ihn auf 4 bar entspannt. Bei Volllast verarbeitet die Anlage bis zu 75 Tonnen Dampf pro Stunde. Everllence sagt, dadurch steige die Energieeffizienz des Standorts und sein CO2-Fußabdruck sinke. Hassan Ajami aus dem Turbomaschinengeschäft wird mit dem Satz zitiert, Prozessdampf sei eine wertvolle Energiequelle.

In Bengaluru gebaut, für das deutsche Netz geprüft

Die Turbine entsteht im Werk von Everllence in Bengaluru, Indien, das nach Unternehmensangaben weltweit für Dampfturbinen zur Stromerzeugung bis 45 MW zuständig ist. Sie folgt API 612 und erhält zusätzliche Konstruktions- und Qualitätsprüfungen sowie einen mechanischen Probelauf auf dem Prüfstand in Bengaluru, der 2024 in Betrieb genommen wurde. Elektrisch muss der Satz die deutschen Anschlussregeln für Erzeugungsanlagen am Netz (VDE-AR-N 4120) erfüllen; dafür hat Everllence zusammen mit Yara dynamische elektrische Simulationen durchgeführt.

Everllence verweist außerdem auf die Geschichte: Turbomaschinen des Unternehmens laufen in Poppendorf seit den 1980er-Jahren. Holger Tewes, Leiter Vertrieb und Projektmanagement für Dampfturbinen, sagt, die chemische Industrie frage vor allem nach Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Effizienz. Die Mitteilung nennt weder Liefertermin noch Auftragswert.

Was die Mitteilung über den Dampf mit 4 bar offenlässt

Die erste Frage, die ein Betreiber stellt, ist, was mit dem Dampf geschieht, nachdem er die Turbine mit 4 bar verlassen hat. Hat der Standort dafür eine Verwendung, bringt die Turbine zusätzlichen Strom aus einem Wärmestrom, der ohnehin gebraucht wird. Landet der Dampf dagegen in einem Kondensator, entsteht eine zusätzliche Wärmeabfuhr, die die Anlage bisher nicht hatte. Die Mitteilung schweigt dazu, deshalb lässt sich noch nicht sagen, welcher der beiden Fälle hier zutrifft.

Es ist ein kleines Projekt neben den Gigawatt-Aufträgen der Woche, zeigt aber ein Muster, das bei der Arbeit an Kraftwerken leicht übersehen wird: Das günstigste Megawatt ist oft das, das aus Energie gewonnen wird, die ohnehin über den Standort fließt. Dieselbe Logik steckt hinter der Kraft-Wärme-Kopplung mit Gasmotoren, bei der Wärme aus Kühlwasser und Abgas darüber entscheidet, ob sich die Anlage rechnet.

Quellen: Everllence

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