GE Vernova liefert die Gasturbine für das GuD-Kraftwerk Songon, ein 372-MW-Projekt bei Abidjan in Côte d'Ivoire. Das Unternehmen gab den Auftrag am 20. Oktober bekannt; verbucht wurde er nach eigenen Angaben im dritten Quartal. Kern der Anlage ist eine einzelne 9E-Gasturbine mit Generator, der kommerzielle Betrieb ist für 2029 geplant.
Wer in Songon was baut
Projektentwickler ist Songon Energies S.A., eine ivorische Investmentgesellschaft für Energieinfrastruktur; EPC-Auftragnehmer ist China Energy International Engineering. Der Lieferumfang von GE Vernova reicht über die Turbineninsel hinaus: Laut Mitteilung gehören auch das Hochspannungs-Umspannwerk, digitale Software und langfristige Serviceleistungen dazu. Die Finanzierungsverträge wurden im Juni unterzeichnet.
Die ivorische Nachrichtenagentur AIP berichtete, dass die gemeinsame Rahmenvereinbarung zwischen den technischen und finanziellen Partnern am 1. Juni 2026 in Abidjan unterzeichnet wurde. Sie beziffert die Gesamtinvestition auf 423,166 Milliarden FCFA, davon 342,129 Milliarden FCFA für den Bau, nennt Energy China als technischen Partner und schreibt, die Regierung habe den Financial Close bis Ende 2026 angestrebt.
Ausgelegt auf eine rasch wachsende Nachfrage
Nach Angaben von GE Vernova entspricht das Kraftwerk bis zu 12 % der installierten Leistung des Landes, und seine Erzeugung würde den Bedarf von rund fünf Millionen ivorischen Haushalten decken. Die Mitteilung nennt eine Elektrifizierungsrate von 94,3 % im Jahr 2024 und ein jährliches Nachfragewachstum von 10 bis 15 %; mit dem staatlichen Programm „Elektrizität für alle“ (PEPT) soll bis 2030 die ganze Bevölkerung Zugang zu Strom erhalten. Das Unternehmen rechnet mit bis zu 1.400 Arbeitsplätzen. AIP schlüsselt seine eigene Schätzung auf: etwa 1.130 direkte Stellen in der Bauphase, 260 im Betrieb und 1.172 indirekte.
Die 9E gehört zu den lange etablierten Baureihen der Heavy-Duty-Klasse. Dass die Wahl auf sie fiel und nicht auf ein neueres Modell, sagt einiges: In einem so schnell wachsenden Netz zählten eine lange Flottenerfahrung und ein bekannter Wartungsablauf mehr als der letzte Punkt Wirkungsgrad.
Küstenklima und Betriebsbeginn 2029
Drei Jahre von der Turbinenbestellung bis zum kommerziellen Betrieb sind für ein GuD-Kraftwerk ein üblicher Zeitplan, und selten ist es die Turbine, die ihn bestimmt. Abhitzekessel, Dampfseite sowie die Kühlung des Prozesses und sämtlicher Hilfsanlagen müssen in der Küstenluft Westafrikas funktionieren: ganzjährig feucht, salzhaltig in Lagunennähe, staubig in der Trockenzeit. An solchen Standorten gehören Korrosionsschutz und Zugänglichkeit für die Reinigung von Anfang an in die Spezifikation jeder luftgekühlten Komponente, nicht erst in den ersten Servicebericht. Mehr zu Kraftwerken mit Gasturbinen und ihren Hilfsanlagen.
Bei einem Projekt, das zwischen Turbinenlieferant und EPC-Auftragnehmer aufgeteilt ist, lohnt sich eine Frage früh: In wessen Lieferumfang fällt die Kühlung des Turbinenschmieröls und des Generators? An solchen Schnittstellen entstehen die Lücken.
Quellen: GE Vernova, AIP
