Wärtsilä liefert für die sieben gasbefeuerten Motorenkraftwerke von Origem Energia im Nordosten Brasiliens künftig nicht mehr nur die Motoren, sondern baut die Anlagen auch. Der finnische Konzern gab am 19. Oktober bekannt, dass seine beiden Lieferverträge mit dem brasilianischen Energieunternehmen in einen erweiterten Leistungsumfang umgewandelt wurden, der Verfahrenstechnik, Beschaffung und Bau oberhalb der Geländeoberkante einschließt. Zusammen kommen die Kraftwerke auf 371 MW, betrieben mit 36 Motoren vom Typ Wärtsilä 34SG.
Von der Motorenlieferung zum kompletten Kraftwerk
Die Motorenlieferung selbst ist nicht neu. Wärtsilä und Origem hatten die 371-MW-Partnerschaft im Mai bekanntgegeben, die Ausrüstungsaufträge wurden im ersten und zweiten Quartal 2026 gebucht. Der EPC-Teil folgte im dritten Quartal. Vertragswerte wurden nicht veröffentlicht.
Es geht um die Projekte Pilar Nova, Pilar und Manguaba I bis V. Alle sieben erhielten in Brasiliens Reservekapazitätsauktion 2026 einen Zuschlag, und ihre Aufgabe ist der Ausgleich: Sie sollen einspringen, wenn Wind- und Solarerzeugung nachlassen, denn der Anteil der erneuerbaren Energien im brasilianischen Netz steigt weiter. Origem wird sie mit eigenem Onshore-Erdgas versorgen und plant um sie herum einen Energie-Hub im Bundesstaat Alagoas. Laut Mitteilung sollen Pilar Nova und Pilar im Oktober 2028 den kommerziellen Betrieb aufnehmen, die fünf Manguaba-Kraftwerke im August 2029.
Levi Souto, bei Origem Direktor für den Kraftwerksbau, bezeichnete die Anlagen als Schritt zu einer durchgehenden Plattform, die das Gas des Unternehmens vom Feld bis ins Netz bringt; der erweiterte Umfang von Wärtsilä helfe, das Programm im Zeitplan zu halten. Auf Seiten von Wärtsilä nannte der regionale Energiedirektor Gastón Giani die Projektabwicklung des Unternehmens als Grund für die Erweiterung der Verträge.
Warum ein integrierter Produzent den Bau abgibt
Ein Gasproduzent, dem Brennstoff und Kraftwerke gehören, hätte den Bau selbst übernehmen oder auf lokale Auftragnehmer verteilen können. Geht die Verfahrenstechnik an den Motorenlieferanten, liegen die Schnittstellen in einer Hand, und bei einem Programm mit mehreren Kraftwerken geht gerade dort meist Zeit verloren: Brenngasaufbereitung, Schmieröl, Abgas und Kühlsysteme müssen zu Motoren passen, die nach festem Zeitplan eintreffen, und eine Unstimmigkeit, die erst bei der Inbetriebnahme auffällt, kostet Wochen. Bei sieben Standorten und zwei Inbetriebnahmeterminen lässt sich ein Anlagenlayout außerdem leichter wiederholen, wenn eine Partei dafür verantwortlich ist.
Ausgleichsbetrieb belastet ein Kraftwerk auf eigene Weise. Eine Ausgleichsanlage läuft nicht monatelang gleichmäßig durch; sie startet und stoppt mit dem Wetter und muss schnell Last übernehmen, sobald der Wind abflaut oder die Sonne untergeht, im tropischen Klima auch an den heißesten Tagen. Hilfssysteme, die nur für einen genormten Bemessungstag ausgelegt sind, können dann zur Grenze werden. Deshalb achten Käufer solcher Anlagen in der Spezifikation genau auf Standorttemperatur und Luftfeuchte. Wärtsilä-Gasmotoren leisten dieselbe Art von Betrieb im großen Motorenkraftwerk in Australien, über das wir Anfang des Monats berichtet haben. Mehr zu diesen Anlagen: Motorenkraftwerke.
Für Pilar Nova und Pilar bleiben damit zwei Jahre bis zum kommerziellen Betrieb, die fünf Manguaba-Kraftwerke folgen zehn Monate später. Für ein Programm dieser Größe ist das nicht viel Puffer.
Quellen: Wärtsilä (Cision), Cyprus Shipping News
