Das Department of Natural Resources (DNR), die Umweltbehörde von Wisconsin, wird KI-Rechenzentren und die für ihre Stromversorgung gebaute Infrastruktur im gesamten Bundesstaat untersuchen. Die Pflicht dazu stammt aus einem Vergleich, den DNR, Sierra Club und Vantage Data Centers am Freitag, dem 16. Oktober, unterzeichnet haben und der am 19. Oktober öffentlich wurde. Vantage bezahlt die Analyse; das DNR hat bis zum 31. Januar 2028 Zeit, sie abzuschließen.
Vom Genehmigungsstreit zur landesweiten Studie
Ausgangspunkt war Lighthouse, der Campus, den Vantage zusammen mit Oracle und OpenAI in Port Washington baut. Laut Wisconsin Public Radio handelt es sich um ein Projekt von rund 15 Milliarden $: vier Rechenzentren auf etwa 670 Acres, 1,3 GW in der ersten Phase und später möglicherweise bis zu 3,5 GW; der Bau soll 2028 abgeschlossen sein. Im Juli klagte Midwest Environmental Advocates im Namen des Sierra Club im Ozaukee County mit der Begründung, das DNR habe den Campus ohne Umweltverträglichkeitserklärung genehmigt. Bereits veröffentlichte E-Mails hatten gezeigt, dass die Behörde Vantage zunächst mitgeteilt hatte, eine solche Erklärung sei nötig.
Die Genehmigungen für Lighthouse bleiben nach der Vereinbarung gültig und brauchen keine weitere Umweltprüfung. Der Sierra Club zieht seinen Antrag auf ein förmliches Anhörungsverfahren (Contested Case Hearing) zurück, und das DNR gibt Unterlagen heraus, die Umweltverbände angefordert hatten.
Was das DNR untersuchen muss
- den geplanten Ausbau von KI-Rechenzentren und die Infrastruktur, die für ihre Stromversorgung nötig ist;
- direkte, indirekte und kumulative Auswirkungen auf Landwirtschaft, Luft- und Wasserqualität, Klima, Energie, Wirtschaft und Kulturgüter;
- eine Zusammenfassung der Folgen für die Stromrechnungen;
- öffentliche Stellungnahmen und mindestens eine öffentliche Anhörung.
Die Behörde behält die alleinige Kontrolle über die Studie und über Entscheidungen zu künftigen Anträgen. Genehmigungsverfahren laufen währenddessen weiter, und jedes Projekt wird nach wie vor einzeln geprüft. Hintergrund ist der Entwurf einer Bewertung der Public Service Commission of Wisconsin vom Juni, die bis 2032 mit einem Anstieg des Strombedarfs im Bundesstaat um mehr als 40 % rechnet, getrieben von Hyperscale-Rechenzentren.
Warum die Erzeugungsanlagen in den Blick rücken
Eine landesweite Betrachtung kumulativer Auswirkungen auf die Luftqualität kommt an den Erzeugungsanlagen kaum vorbei: an den Gaskraftwerken, die für die neue Last gebaut werden, und an den Reihen von Notstromaggregaten, die jeder Campus aufstellt. Heute wird jede dieser Anlagen Genehmigung für Genehmigung beurteilt. Enthält der Bericht 2028 landesweite Annahmen zu Betriebsstunden, Probeläufen oder Emissionen, werden spätere Projekte daran gemessen. Texas hat in seinem Genehmigungsstopp um dieselben Anlagen gestritten, und Oregon hat solche Genehmigungen bis 2027 ausgesetzt.
Auf dem Papier ändert sich in Wisconsin vorerst nichts. Wer dort vor 2028 die Stromerzeugung für einen Standort plant, tut trotzdem gut daran, die Emissions- und Schalldaten der Anlage so bereitzuhalten, dass sie direkt in eine öffentliche Anhörung gehen können.
Quellen: Wisconsin Public Radio, The Daily News (Iron Mountain)
