Oregon hat den Bau der meisten neuen Rechenzentren auf Eis gelegt, ohne dafür ein Gesetz zu beschließen. In einem Schreiben vom Freitag, dem 9. Oktober, bat Gouverneurin Tina Kotek Leah Feldon, die Leiterin der staatlichen Umweltbehörde Department of Environmental Quality (DEQ), ihre bestehenden Verwaltungsbefugnisse zu nutzen und die Bearbeitung von Anträgen auf Luft- und Einleitgenehmigungen für neue oder erweiterte Rechenzentren bis zum 1. Juli 2027 einzustellen. Weder das Büro der Gouverneurin noch das DEQ hat dies bekannt gegeben. Die gemeinnützige Organisation Oregon Rural Action aus La Grande machte das Schreiben am 13. Oktober öffentlich, und OPB erhielt den Schriftverkehr aus Koteks Büro.
Wen das Schreiben trifft
Die Pause erfasst auch die Städte und Countys, die Kläranlagen betreiben: Das DEQ soll ihre Anträge auf Verlängerung oder Änderung von Einleitgenehmigungen nicht mehr bearbeiten, mit denen die Anlagen Abwasser von Rechenzentren aufnehmen könnten. OPB liest das so, dass ohne Luft- oder Wassergenehmigung die meisten großen Hyperscale-Anlagen nirgendwo im Bundesstaat gebaut werden können, weder auf öffentlichem noch auf privatem Grund. Der Schritt erweitert eine Pause, die Kotek im September für Geschäfte mit staatseigenen Flächen für Rechenzentren verhängt hatte und die ebenfalls bis Juli 2027 läuft.
Wie das in der Praxis gehandhabt wird, ist noch offen. Das Schreiben spricht von neuen oder erweiterten Anlagen; laut Microgrid Media teilte das DEQ Data Center Dynamics mit, es stelle keine neuen oder verlängerten Genehmigungen mehr aus und auch laufende Anträge seien betroffen, die Einzelheiten arbeite die Behörde noch aus. Wie viele Anträge warten, hat niemand gesagt. Einer davon ist eine Luftgenehmigung für einen geplanten Hyperscale-Standort von Amazon in Boardman, wo nach Angaben von Oregon Rural Action eine Petition mit rund 700 Unterschriften eine Anhörung vor Ort verlangt.
Amazon widerspricht, das Parlament entscheidet
Amazon hat nach Angaben von OPB mehr als ein Dutzend Hyperscale-Rechenzentren in den Countys Morrow und Umatilla. Shannon Kellogg, Vice President Public Policy bei Amazon Web Services, sagte, die Anordnung sei abrupt und ohne nennenswerte Einbindung der Beteiligten ergangen und werde geplante Investitionen in Milliardenhöhe stoppen. Projekte oder eine Zahl nannte er nicht.
Kotek bezeichnet die Maßnahme als befristet. Sie verschafft ihr Zeit, die Empfehlungen ihres siebenköpfigen Data Center Advisory Committee zu prüfen, zu dessen vorläufigem Bericht bis zum 24. Oktober öffentlich Stellung genommen werden kann, und dem Parlament des Bundesstaates Vorschläge vorzulegen, wenn es im Januar 2027 zusammentritt. Ein landesweites Moratorium kann sie nach eigenen Worten nicht allein anordnen. Die Stadt Hillsboro hat bereits Ende Juli ein eigenes Moratorium für Rechenzentren über 120 Tage beschlossen.
Eine Genehmigung, bei der es eigentlich um die Aggregate geht
Hat ein Standort kein eigenes Kraftwerk, stammen die Luftemissionen eines Rechenzentrums fast vollständig aus seinen Notstromaggregaten. In der Luftgenehmigung werden die Zahl der Motoren, ihr Probebetrieb und ihre Abgasnachbehandlung festgelegt; ein Projekt, das beim DEQ feststeckt, ist also praktisch ein Projekt, dessen Motoren weder installiert noch betrieben werden können. Wer für einen Standort in Oregon, der 2027 ans Netz gehen soll, Stromaggregate bestellt hat, besitzt nun Ausrüstung, die womöglich vor den Papieren eintrifft, und Georgia hat gerade gezeigt, was passiert, wenn ein Kraftwerk vor seiner Luftgenehmigung errichtet wird.
Das andere offene Ende sind die Netzverträge. Microgrid Media weist darauf hin, dass Anlagen ab 20 MW nach den Regeln des POWER Act in Oregon den Ausbau des Verteilnetzes bezahlen, den sie auslösen, und mindestens 90 % der vertraglich vereinbarten Kapazität abnehmen müssen. Weder das Schreiben noch das DEQ sagt, wie der Vertrag eines pausierten Projekts mit dem Versorger behandelt wird oder wer die reservierte Kapazität trägt, die bis Juli ungenutzt bleibt. Für Entwickler von Rechenzentren im Bundesstaat entscheidet sich in der Januarsitzung, ob die Pause Gesetz wird oder endet.
Quellen: OPB, Microgrid Media
