Wärtsilä liefert 282-MW-Motorenkraftwerk für ein US-Rechenzentrum

Wärtsilä hat erneut einen Auftrag für die Stromerzeugung direkt an einem Rechenzentrum in den USA erhalten. Wie das Unternehmen am 5. Oktober mitteilte, liefert es 15 Gasmotoren vom Typ 50SG mit zusammen 282 MW an einen großen unabhängigen US-Stromerzeuger, der das Kraftwerk für ein neues Rechenzentrum baut. Kunde und Standort wurden nicht genannt. Gebucht wurde der Auftrag im dritten Quartal; die Motoren sollen 2028 geliefert werden, der volle Betrieb des Kraftwerks ist für 2029 vorgesehen.

Nach Wärtsiläs eigener Zählung ist es der siebte Rechenzentrumsauftrag in den USA. Die an US-Rechenzentren verkaufte Motorleistung liegt damit inzwischen über 3 GW.

Warum das Kraftwerk am Rechenzentrum steht

Die Begründung ist dieselbe, die Projektentwickler schon das ganze Jahr über anführen: Engpässe im Übertragungsnetz, lange Wartezeiten auf einen Netzanschluss und ein Strombedarf, der mit den KI-Lasten weiter wächst. Risto Paldanius, der bei Wärtsilä Energy das Amerika-Geschäft leitet, sagte in der Mitteilung, die herkömmliche Energieinfrastruktur halte mit dem Wachstum des US-Rechenzentrumsmarkts nicht Schritt. Flexible Erzeugung vor Ort sei für Entwickler ein Weg, das Risiko beim Ausbau zu verringern.

Ob die Motoren den Campus rund um die Uhr versorgen oder parallel zu einem Netzbezug laufen, lässt die Mitteilung offen. Ein Kraftwerk mit fünfzehn Maschinen kann beides. Die Motoren lassen sich stufenweise zu- und abschalten und folgen so der Last, und eine Maschine kann in Wartung stehen, während die übrigen den Campus weiter versorgen.

Kühlung im geschlossenen Kreislauf

Wer einen solchen Standort plant, sollte eine Zeile der Mitteilung zweimal lesen: Laut Wärtsilä arbeiten die Motoren mit einem geschlossenen Kühlkreislauf und minimalem Wasserverbrauch. Rechenzentrumsprojekte müssen sich bei Behörden und Anwohnern ohnehin schon unbequeme Fragen zum Wasser gefallen lassen, und ein Motorenkraftwerk, das zur Kühlung Wasser verdunstet, würde die Liste noch verlängern.

Im geschlossenen Kreislauf wird die Wärme aus dem Motorkühlwasser und der Ladeluft zu luftgekühlten Kühlern gepumpt und an die Atmosphäre abgegeben, das Kühlmittel bleibt im Kreislauf. Bezahlt wird das mit Platz und Ventilatorleistung. Eine Reihe großer Gasmotoren gibt sehr viel Wärme ab, und die Kühler, die diese Wärme abführen, müssen so angeordnet sein, dass ihre warme Abluft nicht zu den Lufteintritten der Nachbargeräte zurückzieht. Ob das Kraftwerk seine Nennleistung hält, entscheiden die heißesten Tage am Standort und nicht der Jahresmittelwert. Wo sich Motorenkraftwerke und die Kühlung des Rechenzentrums dasselbe Gelände teilen, wird daraus eine einzige Layoutfrage statt zwei.

Der Brennstoff kann wechseln

Außerdem lassen sich die Motoren nach Angaben von Wärtsilä auf künftige Brennstoffe umrüsten. Welcher Brennstoff und wann, sagt das Unternehmen nicht, und angekündigt ist das Kraftwerk als Gaskraftwerk. Motoren, Hilfsaggregate und Kühlkreisläufe bleiben Jahrzehnte an ihrem Platz, der Brennstoff vielleicht nicht.

Quellen: Wärtsilä, Pipeline & Gas Journal

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