Moody's: Rechenzentren könnten 2035 30 % des irischen Stroms verbrauchen

Wie viel des europäischen Stroms werden Rechenzentren in zehn Jahren verbrauchen, und wer bezahlt die Leitungen? Moody's Ratings hat beide Fragen in einem Bericht beziffert, über den The Register am 13. Oktober berichtete. In den meisten großen europäischen Märkten lag der Anteil der Rechenzentren am Stromverbrauch 2025 im niedrigen einstelligen Bereich, typischerweise bei etwa 2,5 %. Bis 2035 erwartet die Agentur mindestens 5,7 % in Frankreich und Großbritannien, bis zu 17 % in den Niederlanden und bis zu 30 % in Irland.

Irland ist der Ausreißer und schon weit fortgeschritten: Rechenzentren verbrauchten 2025 23 % des Stroms im Land, gegenüber 5 % im Jahr 2015.

Das Problem liegt in den Bilanzen

Die Hauptsorge des Berichts gilt den Netzgesellschaften. Mehr Last bedeutet mehr Erzeugung und mehr Netz, und in vielen europäischen Regulierungssystemen fließt das Geld für neue Leitungen und Umspannwerke erst mit Verzögerung zurück. Moody's sieht in der Zwischenzeit kurzfristigen Druck auf die Bilanzen der Betreiber, bei der Übertragung stärker als bei der Verteilung, weil ein Rechenzentrumsbetreiber nur seinen eigenen Anschluss bezahlt. Die Netzverstärkung, die dahinter nötig wird, landet beim Übertragungsnetzbetreiber und am Ende auf der Rechnung jedes Kunden.

Die EU will ihre Rechenzentrumskapazität innerhalb von fünf bis sieben Jahren mehr als verdreifachen und über die etablierten Standorte in Deutschland, Irland, Frankreich und den Niederlanden hinaus in die nordischen Länder und nach Südeuropa wachsen. Für Großbritannien und Frankreich wird ein schnelleres Wachstum bei Zahl und Größe der Anlagen erwartet.

Was Regierungen schon tun

Höhere Netzkosten und ein knappes Angebot treiben in der Regel die Preise, und höhere Preise ziehen meist politische Maßnahmen nach sich. Moody's stellt fest, dass einige Regierungen Steuersenkungen und Subventionen für Endverbraucher prüfen, dass immer mehr Übertragungsnetzbetreiber finanzielle Sicherheiten verlangen, um spekulative oder doppelte Anschlussanträge auszusortieren, und dass die britische Regierung eine Gebühr für Anschlussanträge erwogen hat. Preisobergrenzen, Sondersteuern oder Abgaben könnten folgen, wenn der Ausbau sein heutiges Tempo hält.

Irland zeigt die härtere Variante. Die Commission for Regulation of Utilities hat ihr Moratorium für neue Rechenzentrumsanschlüsse durch einen Rahmen ersetzt, nach dem jeder Antragsteller ab 10 MVA eine entsprechende Erzeugung oder Speicherung auf dem Gelände oder in der Nähe bereitstellen und mindestens 80 % seines Jahresbedarfs mit zusätzlichen Erneuerbare-Energien-Projekten in Irland decken muss. Moody's erwartet, dass weitere europäische Regierungen dem Beispiel Irlands und der Vereinigten Staaten folgen und eingreifen.

Eigene Erzeugung rückt nach oben

Aus Sicht der Anlagentechnik ist die irische Regel die, die man im Auge behalten sollte. Sobald ein Anschluss von Erzeugung am oder nahe dem Standort abhängt, sind Motoren oder Turbinen keine Notstromposition im Elektro-Lieferumfang mehr; sie gehören zur Genehmigung, laufen womöglich viele Stunden, und ihre Emissionen, ihr Schall und ihre Kühlung werden zu eigenständigen Planungsfragen. Moody's erwähnt auch Versorger, die ehemalige fossile Kraftwerksstandorte mit vorhandenem Netzanschluss weiternutzen, wie es bei mindestens einer britischen AI Growth Zone der Fall ist. Alte Kraftwerksstandorte bringen Transformatoren und Platz mit, aber auch Nachbarn, die sich an das alte Kraftwerk erinnern.

Dasselbe Muster hat sich dieses Jahr in den Vereinigten Staaten gezeigt, von netzunabhängigen Campussen in Texas bis zu Versorgern, die Kraftwerke für einzelne Kunden bauen. Bei Rechenzentrumsprojekten in Europa verschiebt sich die Frage beim ersten Termin von „Wann kann das Netz den Standort anschließen?“ zu „Was muss der Standort selbst mitbringen?“.

Quellen: The Register

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