Mit Microsoft unterschreibt der nächste Großverbraucher bei der Erzeugungsgesellschaft, die NiSource genau für solche Kunden gegründet hat. Am 16. Oktober gab NiSource einen Vertrag über 20 Jahre bekannt, mit dem der bereits angekündigte Microsoft-Campus im Nordwesten Indianas versorgt werden soll. Die Lieferung beginnt 2028; dafür baut die NiSource Generation Company LLC (GenCo) rund 1.100 MW neue Erzeugungskapazität zu. Microsoft trägt die gesamten Kosten für Erzeugung und Übertragung, die sein Bedarf verursacht.
Was die Mitteilung sagt und was sie offenlässt
Die Mitteilung spricht nur allgemein von Erzeugungsressourcen. Welche Art von Anlage, an welchem Standort und ab wann gebaut wird, steht dort nicht; nähere betriebliche und finanzielle Angaben will NiSource bei der Telefonkonferenz zum dritten Quartal machen. Ein Teil ist allerdings benannt: GenCo hat 600 MW Batteriespeicher über einen langfristigen Tolling-Vertrag gesichert, entwickelt und gebaut von einer Tochter der AGP Group. Die Batterien gehen in den Anlagenpool von GenCo, der mehrere Großverbraucher bedient und nicht nur einen.
Mit den neuen Anlagen soll zudem das Übertragungsnetz von NIPSCO ausgebaut werden. Den Vorteil für die bestehenden Stromkunden von NIPSCO beziffert NiSource nun auf rund 1,75 Mrd. US-Dollar über die Laufzeit seiner Rechenzentrumsverträge, nach zuvor genannten 1,4 Mrd. US-Dollar, also bis zu 140 US-Dollar pro Kunde und Jahr. Vorstandschef Lloyd Yates nannte bezahlbare Preise eine tragende Säule des GenCo-Modells. Jeff Riles, Senior Director Energy Markets bei Microsoft, erklärte, das Unternehmen wolle seine Kosten selbst tragen, damit seine Rechenzentren die Preise für andere Stromkunden nicht nach oben treiben. Die Aktie legte laut Investing.com an diesem Tag um 2,3 % zu.
Das Muster aus dem Amazon-Vertrag
Die Konstruktion entspricht der, die NIPSCO für Amazon gewählt hat. GenCo, eine eigenständige Tochtergesellschaft, baut und betreibt die Anlagen für den neuen Großverbraucher, sodass deren Kosten nicht bei den bestehenden Kunden landen. Bei Amazon waren das laut Utility Dive vom November 2025 zwei Gaskraftwerke mit je 1,3 GW am Standort des Kohlekraftwerks Schahfer und eine 400-MW-Batterie mit vier Stunden Speicherdauer, zusammen rund 7 Mrd. US-Dollar einschließlich Übertragung und vollständig von Amazon bezahlt, für einen Bedarf, der bis Ende 2032 auf 2,4 GW steigt. Ob die Kapazität für Microsoft dieselbe Mischung aus Gaskraftwerk und Batterien bekommt, ist die naheliegende Frage an die Quartalskonferenz.
Gesicherte Leistung macht die Aggregate nicht überflüssig
Wenn ein Versorger Kapazität für einen einzelnen Campus baut, ändert das an der Frage der Notstromversorgung weniger, als man gemeinhin annimmt. Der Campus wird weiterhin eigene Stromaggregate für die Momente haben, in denen das Netz nicht liefern kann. In einer Region, in der innerhalb weniger Jahre mehrere Gigawatt neuer Last hinzukommen, laufen diese Motoren womöglich deutlich öfter, als es ein für ein starkes Netz geschriebenes Lastenheft vorsah. Im Norden Indianas hat ein Aggregatefeld einen echten Winter und einen feuchten Sommer zu bestehen, und die Anlagen stehen die vollen zwanzig Vertragsjahre im Freien.
Worauf man achten sollte, ist daher schnell gesagt: Wie viel der 1.100 MW sind Gasturbinen oder Motoren, die Energie erzeugen, und wie viel Batterien, die sie nur zeitlich verschieben? Für Planer von Rechenzentren in der Region entscheidet diese Aufteilung, wie stark die Notstromanlagen tatsächlich beansprucht werden.
Quellen: NiSource (Business Wire über Yahoo Finance), Investing.com, Utility Dive (2025)
