Australien bekommt sein bisher größtes Kraftwerk mit Hubkolbenmotoren, und es wird mit dem neuesten großen Gasmotor von Wärtsilä laufen. Der finnische Konzern gab am 30. September bekannt, dass er 13 Motoren vom Typ Wärtsilä 46TS-SG für ein 300-MW-Kraftwerk in Australien liefert. Kunde und Standort wurden nicht genannt. Wärtsilä hat den Auftrag im dritten Quartal verbucht; die Motoren sollen Anfang 2029 geliefert werden, der volle Betrieb des Kraftwerks ist für 2030 vorgesehen.
Die Anlage dient dem Netzausgleich und der Versorgungssicherheit. Wärtsilä beschreibt sie als schnell startende, flexible Leistung, mit der das Netz mehr Wind- und Solarstrom aufnehmen kann, ohne die Versorgungssicherheit aufzugeben. Dank des modularen Aufbaus lasse sich das Kraftwerk erweitern, wenn der Anteil erneuerbarer Energien steigt.
Der 46TS im Kraftwerksauftrag
Laut pv magazine Australia leistet jeder 46TS-SG bis zu 23,4 MW mechanisch, bei einem elektrischen Spitzenwirkungsgrad von über 51,3 %. Ein Aggregat erreicht in etwa zwei Minuten Volllast, kann beliebig oft gestartet und gestoppt werden und hat keine Mindestlauf- oder Mindeststillstandszeit. Die Motoren laufen mit Erdgas und Biogas und heute mit Wasserstoffbeimischungen von bis zu 25 Vol.-%; Wärtsilä spricht von einem späteren Weg zu vollständig nachhaltigen Brennstoffen.
Dreizehn Motoren für 300 MW sind für ein Kraftwerk dieser Größe eine kleine Stückzahl. Weniger, dafür größere Einheiten bedeuten weniger Hilfsaggregate in der Wartung und weniger Platzbedarf – dafür fehlt bei jeder Revision ein größerer Teil der Leistung. Bei einem Ausgleichskraftwerk, dessen Betreiber Verfügbarkeit ebenso verkauft wie Energie, ist diese Abwägung meist lange vor der Bestellung entschieden.
Welcher Standort?
Wärtsilä behält den Standort für sich. pv magazine Australia weist – ohne beides miteinander zu verbinden – darauf hin, dass die Regierung von Western Australia ein staatliches Gaskraftwerk mit rund 300 MW in Naval Base / Kwinana südwestlich von Perth prüft. Entwickeln soll es der staatliche Versorger Synergy, der Betrieb ist für 2030 angestrebt. Das Vorhaben liegt der Umweltschutzbehörde des Bundesstaates (Environmental Protection Authority) zur Prüfung vor, Greenpeace Australia Pacific lehnt es ab. Solange der Kunde nicht genannt ist, bleibt jeder Zusammenhang Spekulation.
Viele Starts, heiße Nachmittage
Ein Kraftwerk, das Wind und Sonne folgt, läuft nicht wie ein Grundlastkraftwerk. Es startet unter Umständen mehrmals am Tag, steht stundenlang warm in Bereitschaft und muss dann innerhalb von Minuten volle Leistung bringen, wenn Wolken aufziehen oder der Wind in der Dämmerung nachlässt. Jeder Start ist ein thermischer Zyklus für den Motor und alles um ihn herum: Aufheizen von Schmieröl und Motorkühlwasser, der Ladeluftkreis und das Kühlsystem, das mit dem Motor hochfahren und fast sofort die volle Wärme abführen können muss.
In Australien wird diese volle Leistung oft an den heißesten Tagen des Jahres gebraucht, wenn die Nachfrage ihren Höchststand erreicht und die Solarleistung am späten Nachmittag schon nachlässt. Wer eine solche Anlage spezifiziert, sollte sicherstellen, dass die Nennleistung bei den tatsächlichen Sommerbedingungen am Standort gehalten wird und nicht nur bei einer genormten Bezugstemperatur. Dieselbe Überlegung gilt für die Motorenkraftwerke, die derzeit neben US-Rechenzentren entstehen.
Quellen: Wärtsilä, pv magazine Australia
